Interview über den Präsenzunterricht der QII kurz vor dem Abitur

Während viele von uns zu Hause bleiben und Online-Unterricht haben, hat die QII als einziger Jahrgang noch Unterricht in der Schule. Die Schüler*innen befinden sich aktuell kurz vor dem Abitur und haben dementsprechend Präsenzunterricht, damit sie auf die Prüfungen besser vorbereitet sind.

Ihr seid ja die einzige Stufe, die zurzeit zum Präsenzunterricht in die Schule kommen darf, während alle anderen zu Hause Fernunterricht haben. Empfindet ihr das als Privileg?

Thorben: Nicht zwangsläufig, da wir uns ja auch dem Risiko aussetzen. Ich glaube, es ist mehr eine Verordnung als ein Privileg, damit wir besser für das Abitur vorbereitet sind.

Robert: Ich sehe es auch nicht als Privileg, es hat den Sinn, dass wir gut auf das Abitur vorbereitet werden, ohne zu viele Monate nicht in der Schule anwesend zu sein. Insgesamt ist es aber trotzdem nicht so schön, da wir auch einem gewissen Risiko ausgesetzt sind.

Das Sportforum – hier wird jetzt nicht Sport, sondern Mathe oder Deutsch unterrichtet.

Wie ist die aktuelle Situation in der Schule? Hygienevorschriften wie vor Weihnachten oder strenger?

Thorben: Wir kommen in die Schule, müssen die Maske aufsetzen und desinfizieren uns dann die Hände. Dazu gibt es eigentlich auch noch das Treppensystem (Rechtsverkehr), jedoch ist es jetzt unnötig, da wir sehr wenige Schüler*innen sind. Wir müssen den Abstand von 1.50 m weiterhin einhalten und konsequent die Maske tragen. Deshalb sind wir auch oft in besonders großen Räumen.Wir dürfen drinnen nicht mehr essen und trinken, sondern müssen raus vor die Tür gehen, obwohl es sehr kalt ist.

Haltet ihr das Treppensystem überhaupt noch ein?

Bei den Corona-Regeln kommen sich Sicherheit und Wohlbefinden oft in die Quere, was ja typisch für die gesamte Pandemie-Situation ist.

Robert: Nein. Wir sind die einzige Klasse, die sich zu einem festgelegten Zeitpunkt im ganzen Schulgebäude bewegt. Im Schulgebäude sind sowieso nur drei Klassen, wodurch die Schule auch sehr leer wirkt. Insgesamt ist die Situation aber auch besser, so da wir nicht auf andere Klassen treffen.

 Welche Vorteile hat der Präsenzunterricht für euch, glaubt ihr, es ist so tatsächlich eine bessere Vorbereitung auf das Abitur möglich?

Robert: Die aktuelle Situation ist natürlich nicht für jeden schön, aber dadurch ist auf jeden Fall eine bessere Vorbereitung für das Abitur möglich. Der Präsenzunterricht ist vorteilhaft, da man richtig teilnehmen kann und man konzentrierter ist und es keine technischen Probleme gibt, wodurch eine Stunde ausfallen könnte. Es ist ganz normaler Unterricht, jedoch gibt es einige Sachen, wie das Austeilen von Arbeitsblättern, welche mit dem Hygienekonzept schwer zu vereinbaren sind. Es ist einfach schwer, die Hygienevorschriften komplett einzuhalten. In einigen Fächern wie Englisch und Religion, wo wir im Forum oder in der Sporthalle sind, da wir Mischkurse sind, ist es teilweise echt unangenehm. Im Forum hat man z.B. keinen Tisch, auf dem man schreiben kann und man versteht die Lehrer oft nicht, da der Raum einfach zu groß ist. In den Punkten würde ich Online-Unterricht als eine bessere Alternative finden, da man die Lehrer dort besser versteht.

Thorben: Ja, also ich kann mich Robert nur anschließen. Ich finde, es ist besser, im Präsenzunterricht zu lernen, also für die Abiturfächer, die wir haben auf jeden Fall. An Unterrichtsgesprächen teilzunehmen und mit dem Lehrer Probleme zu klären, ist insgesamt einfacher in Präsenz als online.

Im Forum können Schüler*innen mit Abstand sitzen – das mussten sie hier (2019) aber noch gar nicht – beim DialogP.

 

Was sind die größten Vor- und Nachteile beim Online-, bzw. Präsenzunterricht?

Robert: Im Online-Unterricht ist viel besser, dass man ausschlafen kann und dann wacher ist als in den ersten Stunden in der Schule. Abgesehen davon, dass wir im Online-Unterricht nicht dem Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind und es schöner ist auszuschlafen, gibt es keine weiteren Vorteile vom Online-Unterricht. Im Präsenzunterricht kann man hingegen besser lernen und besser mit den Lehrer*innen und seinen Mitschüler*innen interagieren. Ich meine, man sollte eine Kombination aus Online-Unterricht und Präsenzunterricht finden.

So in etwa sieht der Unterricht in der Sporthalle aus. Hier beim Vor-Abitur.

Thorben: Es sind halt vor allem die Randstunden, wenn man z.B die letzten zwei Stunden Musik hat, sollte man diese eher in BBB halten (was mittlerweile auch so im Stundenplan eingerichtet wurde).

Wie ist die Stimmung unter den Lehrer*innen und Schüler*innen?

Thorben: Im Großen und Ganzen ist alles sehr kurzfristig gewesen. Die Lehrer versuchen herauszufinden, wie die Hygienemaßnahmen zu verbessern sind, auch so, dass sie angenehmer sind. Wir müssen alle gucken, wie die Situation gerade ist und wie man sie verbessern kann.

Robert: An sich ist die Stimmung jetzt nicht schlecht, kein Schüler hat keine Lust, zur Schule zu kommen, da es jetzt gerade ja auch am wichtigsten ist. Allerdings ist die Atmosphäre einfach anders, vor allem, da man keine Sitznachbarn mehr hat, sondern 1.50 m Abstand von diesen hält.

Ist die Stimmung jetzt schlechter als vor den Ferien?

Robert: Ja. Es hängt aber auch mit den sozialen Kontakten zusammen. Man bekommt nur das Ätzende in der Schule ab und der soziale Kontakt mit den Freunden fällt einfach weg.

Thorben: Die Hygienevorschriften drücken die Stimmung runter. Vor den Ferien konnte man ja noch im Klassenraum essen und trinken, mittlerweile müssen wir dafür rausgehen und dazu noch Sicherheitsabstand halten, und zwar bei Minusgraden.

Was vermisst ihr in der gegenwärtigen Situation am meisten in der Schule? Die engeren Kontakte zu anderen, eine Abwechslung zum Frontalunterricht, mal das Pausenbrot in der Schule essen dürfen, die anderen Schüler*innen auf den Fluren, das gesamte Schulleben wie Konzerte, Veranstaltungen etc.?

Robert: Das Schlimmste war für mich, dass unsere Studienfahrt ausgefallen ist. Wir wollten nach Amsterdam, jedoch war dies bei der Entscheidung der Klasse ein Risikogebiet und dementsprechend waren viele gegen eine Studienfahrt dorthin. Es ist auch schade, dass es keine Gruppenarbeiten mehr gibt, was für mich immer sehr auflockernd war und die Stimmung auch angehoben hat. Jetzt kann man sich viel weniger austauschen, was sehr mies ist, wenn man nicht weiter weiß.

Die eingeschränkten, oder fehlenden sozialen Kontakte machen allen zu schaffen.

Thorben: Ich finde, der soziale Kontakt fällt durch den Sicherheitsabstand weg. Jedoch sollte es eine andere Lösung für das Essen und Trinken in der Schule geben, da es einfach nervt, immer dafür rauszugehen.

Habt ihr Angst, dass euer Abitur aufgrund von Corona schlechter ausfällt? Wurde euer Stundenplan verändert, um den ganzen Corona-Regeln und Hygienevorschriften gerecht zu werden?

Thorben: Wir sind prinzipiell auf das Abitur vorbereitet, allerdings glaube ich auch, dass uns Zeit in der Vorbereitung fehlt. In z.B. Deutsch haben wir nicht alle Klausurtypen geübt, da ja auch viel Schulzeit weggefallen ist. Es ist einfach sehr aufwändig, diese Sachen eigenständig zu lernen. Unser Stundenplan hat sich eigentlich kaum verändert, Sport fällt weg, da dort die Sicherheitsmaßnahmen nicht erfüllt werden können.

Robert: Die Zeit ist ein sehr großes Problem, wir haben ja schon G 8 und hatten ein halbes Jahr lang weniger Unterricht. Durch die weggefallenen Klausuren sieht man diese „Klausurentypen“ erst bei dem Vorabi, wodurch man sich weniger vorbereitet fühlt.

Ihr habt ja gesagt, dass der Lehrer weniger Zeit hat, um euch komplett auf das Abitur vorzubereiten, aber ist es nicht so, dass z.B in Mathe auch ein Themenbereich weggefallen ist. Das ist doch ein Ausgleich.

Robert: Ja, es ist ein Ausgleich, aber es muss auch sein, da wir alleine jetzt schon nicht mit dem durch sind, was wir bräuchten.

Was bereitet euch Sorgen? Fühlt ihr euch mit euren Sorgen wahrgenommen und verstanden? Wenn ja, von wem?

Thorben: Mir macht am meisten Sorgen, dass wir wieder in den Lockdown müssen und keine Schule mehr haben. Die Schule kann dagegen natürlich nichts machen. Frau Macholl hat mit uns im Unterricht auch manchmal über die aktuelle Situation gesprochen, da sie ja auch eine Hygienebeauftragte ist. Sie wollte in der Schulversammlung dann auch unsere Anliegen ansprechen. Im großen und ganzen wissen wir aber nicht, was demnächst passiert.

Was hofft ihr, worauf freut ihr euch?

Robert: Ich hoffe, dass mein Abitur trotz Corona noch gut wird!

Thorben: Ich hoffe, dass Corona schnell vorbei ist, obwohl wir alle wissen, dass es noch etwas länger dauern wird. Ich hoffe auch, dass wir noch genügend Zeit haben, um uns auf das Abitur vorzubereiten.

Gewöhnt man sich so langsam an die Situation und findet man eine neue Normalität?

Thorben: Wir gewöhnen uns so langsam daran, haben wir ja auch schon, als wir vor den Ferien in die Schule kamen.

Robert: Wir haben ja auch keine andere Wahl. Ich wäre jetzt allerdings lieber in einer anderen Situation.

Danke für das Interview.

Interview von Florian Klimek.