Interview mit Frau Mahncke-Wachter – Lehrerin und Therapeutin

Ein Porträt von Frau Mahncke-Wachter welche lächelt , sie trägt eine Brille und hat schulterlanges, braunes Haar, sie blickt in die Kamera . Sie trägt eine gemusterte Bluse und eine dunkle Weste; der Hintergrund ist neutral und unscharf.
Frau Mahncke-Wachter: möchte nicht nur die Leistung betrachten, sondern den Menschen dahinter verstehen.
Interview mit Frau Mahncke-Wachter: Lehrerin, Therapeutin und Mensch mit Herz für Schule und Schüler.   

Von Konstantin Möbius

Frau Mahncke-Wachter unterrichtet am Gymnasium Glinde die Fächer Englisch sowie Wirtschaft und Politik. Neben ihrer Aufgabe als Lehrerin ist sie außerdem systemische Therapeutin.

Im Gespräch erzählt sie, was sie an ihrem Beruf begeistert, welchen Herausforderungen sie sich stellt und was ihr im Schulalltag besonders wichtig ist. Sie sagt: „Es ist ein Privileg, mit jungen Menschen zu arbeiten.“

 

Auf meine erste Frage, wie es dazu kam, dass sie Lehrerin geworden ist, antwortete Frau Mahncke-Wachter mit einem Lächeln:

„Schon mein Schulpraktikum hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Ich finde, es ist ein echtes Privileg, mit jungen Menschen zu arbeiten, mit Menschen, die schnell lernen, wachsen und sich entwickeln.“ Besonders die Fächer Wirtschaft-Politik und Englisch haben sie schon früh fasziniert. „Englisch verbindet Menschen auf der ganzen Welt und spiegelt durch ihre Literatur die Geschichte und Kultur vieler Länder wider. Heute, durch Globalisierung und Medien, lernen Schülerinnen und Schüler früher Englisch – das finde ich sehr spannend zu beobachten.“

Neben ihrer Arbeit als Lehrerin hat Frau Mahncke-Wachter eine Ausbildung zur systemischen Therapeutin absolviert. „Mich interessiert, wie Menschen in ihren Systemen wie Familie, Freundeskreis oder Schule miteinander interagieren. Wenn jemand z. B. in kurzer Zeit in der Schule schlechter wird, liegt das meist nicht nur an der Person selbst. Oft gibt es äußere Umstände, wie familiäre Probleme, Konflikte oder Belastungen. Diese Ausbildung hilft ihr, Schüler und Schülerinnen mit anderen Augen zu sehen: „Ich möchte nicht nur die Leistung betrachten, sondern den Menschen dahinter verstehen. Das hat mich sensibler gemacht im Umgang mit anderen.“  

Herausforderungen im Schulalltag:

Wie viele Lehrkräfte, steht auch Frau Mahncke-Wachter täglich vor Herausforderungen: „Ich glaube, viele Lehrerinnen und Lehrer haben das Gefühl, nicht allen gerecht werden zu können. Es gibt oft zu wenig Zeit, um individuell zu fördern, und der Lärm oder Stress im Alltag ist manchmal belastend.“ Außerdem betont sie, wie wichtig ihr die Zusammenarbeit im Kollegium und die gemeinsame Arbeit mit Schülern ist. „Wenn man merkt, dass man Denkanstöße geben kann oder gemeinsam an Projekten arbeitet, ist das sehr erfüllend.“

Selbstfürsorge und Balance sind für Frau Mahncke-Wachter auch sehr wichtig. „Ich habe gelernt, dass man gut auf sich selbst achten muss durch Bewegung, Sport, Lesen oder einfach mal Zeit für sich. Nur wer selbst ausgeglichen ist, kann auch für andere da sein.

Rückblick: Schule in Zeiten von Corona:

Rückblickend erzählt sie, wie prägend die Corona-Zeit war: „Wir haben monatelang Masken getragen und uns erst nach sieben Monaten das erste Mal richtig gesehen. Das war sehr seltsam.“ Viele Schüler hätten in dieser Zeit das soziale Lernen vermisst. Dennoch sieht sie auch positive Entwicklungen: „Wir sind alle digitaler geworden; auch Online-Konferenzen und Elternsprechtage per Zoom sind Kompetenzen, die bleiben.“

Umgang/Pläne mit Streitschlichtern

Ein großer Bestandteil ihres Engagements ist die Arbeit mit den Streitschlichtern, die sie seit diesem Jahr gemeinsam mit Herrn Hatip leitet. Ihre Aufgabe ist es, Schüler dabei zu unterstützen, Konflikte fair, ruhig und lösungsorientiert zu klären.

Ein neuer Raum, ein neuer Start

„Wir haben den Streitschlichterraum neugestaltet“, erzählt sie. „Zum Tag der offenen Tür konnten wir die bestellten Möbel aufbauen. Der Raum 126 soll ein Ort sein, an dem wir arbeiten, üben und beraten können.“

Hier treffen sich montagnachmittags die AG-Mitglieder:

  • aktuell viele Elftklässlerinnen, die gleichzeitig Patenschülerinnen sind
  • neue Zehntklässler, die gerade ausgebildet werden
  • zukünftig sollen auch Neuntklässler dazukommen, um den Nachwuchs auszubauen

Warum Streitschlichtung wichtig ist

„Die Streitschlichter sind ein wichtiger Teil unseres Präventionskonzepts“, erklärt sie. „Schüler sollen Schülern helfen, bevor Konflikte eskalieren.“

Sie selbst bringt dafür viel Expertise mit: „Ich habe eine Mediationsausbildung gemacht. Mir ist wichtig, zuzuhören, die richtigen Fragen zu stellen und unparteiisch zu bleiben. Die Lösung steckt oft schon in den Schülern selbst; wir möchten einen Raum schaffen, in dem konstruktiv miteinander gesprochen werden kann und die Beteiligten beim Herausarbeiten einer Lösung oder eines Kompromisses begleiten.“

Mediation + Systemische Beratung, ein starkes Duo?

Auf meine Frage, wie ihre systemische Ausbildung mit der Streitschlichtung zusammenhängt, antwortet sie:

„Sie ergänzt sich perfekt. Die systemische Sicht hilft mir, eine ganze Gruppe im Blick zu haben, zum Beispiel einen Freundeskreis, der sich gerade zerstritten hat. Und in meiner Funktion als Beratungslehrerin möchte ich eine Anlaufstelle für Schülerinnen und Schüler sein, die Sorgen haben und nicht genau wissen, an wen sie sich wenden können.“

Systemisch Beratung kann dabei vieles bedeuten:

  • Zuhören
  • sortieren
  • Kontakt zu weiteren Unterstützungsangeboten oder Beratungsstellen herstellen
  • Lösungen gemeinsam finden

Gespräche könne man unkompliziert mit ihr vereinbaren, zum Beispiel über itslearning.

Wie geht es mit den Streitschlichtern weiter?

Ziel ist es, im zweiten Halbjahr wieder neue Streitschlichter auszubilden. Wichtig sei, dass die Gruppe auf etwa 15–20 aktive Mitglieder wächst: „Vor allem brauchen wir mehr Jungs! Viele Konflikte betreffen Jungen und sie würden von Ansprechpartnern profitieren, die ähnliche Erfahrungen haben.“

Erstellt von Konstantin Möbius mit GIMP

Neben der Arbeit kommt auch der Spaß nicht zu kurz: „Im Dezember haben wir eine kleine Weihnachtsfeier gemacht“, erzählt sie schmunzelnd. Streitschlichtung soll Gemeinschaft schaffen, keinen Druck.

Motto:

Zum Schluss teilt Frau Mahncke-Wachter einen Satz, der sie beeindruckt hat: „Be nice, work hard and have fun.“ „Das beschreibt eigentlich gut, wie Schule sein sollte: Arbeit und Freude mit einander kombinieren, mit Respekt und Offenheit arbeiten.“

Ihr Wunsch für die Zukunft:

„Wenn wir es schaffen, weiterhin weltoffen und respektvoll miteinander umzugehen, dann entwickeln sich hier am Gymnasium Glinde großartige Menschen und alle können sich an unserer Schule wohlfühlen.“

Ein vielseitiger Einblick in die Arbeitswelt von Frau Mahncke Wachter am Gymnasium Glinde von Konstantin Möbius.