Flandernbunker-Exkursion: Adressat unbekannt

Der Flandernbunker in Kiel, ist ein Schutzbunker aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Zu jener Zeit konnte der Bunker im Notfall ca. 750 Menschen aufnehmen. Heutzutage dient er als Mahnmal und für Ausstellungen. Felix N. aus der 8d berichtet von seiner Exkursion mit Frau Mahncke-Wachter, Herrn Harrsen und Frau Drechsler gemeinsam mit drei Oberstufenschülern und zwei Klassen der Mittelstufe.

„Auf Einladung des Landesbeauftragten für politische Bildung – wir hatten dank der Initiative von Frau Mahncke-Wachter Freikarten gewonnen – konnten die Klassen 8d und 9a sowie drei Oberstufenschülerinnen und -schüler am 25. November 2022 eine szenische Lesung an einem wirklich ungewöhnlichen Ort erleben: Zum „Monat des Erinnerns“ wurde im Flandernbunker, der heute „Mahnmal Kilian“ heißt, das Stück „Adressat unbekannt“ von Kathrine Kressmann Taylor aufgeführt.

In dem Buch geht es um einen Briefwechsel zwischen einem Juden und einem Nicht-Juden. Die beiden Deutschen sind nach San Francisco ausgewandert, wo sie eine Kunstgalerie eröffnet und viel Geld verdient haben. Doch schon 1932 kehrt der Nicht-Jude Martin Schulse nach Deutschland zurück um mit seiner Familie auf einem großen Anwesen das Leben eines reichen Mannes und Familienvaters zu führen.

Als sich nach der Machtergreifung durch Hitler die Situation in Deutschland verändert, schreibt der Jude Max Eisenstein aus Sorgen einen Brief an Martin und fragt ihn, ob in Deutschland wirklich alles in Ordnung sei. Bald schon bittet Martin den Juden Max, ihm nicht mehr über seine Privatadresse zu schreiben, denn der Kontakt mit Juden könne ihm Nachteile bringen. In den folgenden Briefen von Martin sagt dieser, dass er den Politiker Hitler und seine Partei, die NSDAP, unterstützt und er den Kontakt zu seinem ehemals guten Freund abbrechen möchte.

Schiff mit Deutschlandflagge

Die Freundschaft der beiden Männer zerbricht endgültig, als Martin für den Tod von der Schwester von Max verantwortlich wird. Griselle, die Schwester von Max, wollte als Jüdin in einem Theater in Deutschland spielen. Doch sie wurde dann als Jüdin identifiziert und schließlich von der SA (Sturmabteilung innerhalb der NSDAP) verfolgt. Als sie zu Martin flieht, will dieser das Leben seiner Familie nicht riskieren und schickt sie weg, so dass die SA sie schnappen und umbringen kann.

Ab dem Moment, als Max die Umstände von Griselles Tod erfährt, beginnt er an Martins Privatadresse zu schreiben. Der Inhalt der Briefe hört sich wie eine codierte Nachricht an, was Martin sehr verdächtig macht. Seine Post wird kontrolliert und hierauf spekuliert Max, um sich wohl an seinem ehemaligen Freund zu rächen. Er nennt ihn „Bruder“ und impliziert damit eine mögliche jüdische Herkunft Martins. Der letzte Brief von Max kommt ungeöffnet zurück. Zwei Wörter sind darauf zu lesen: „Adressat Unbekannt“.

Der Bunker
Der Bunker von außen

An die Lesung in einem Mannschaftsraum des Bunkers schloss sich eine Führung durch das Gebäude an, in dem bei Bombenalarm zu Kriegszeiten etwa 750 Menschen, meist Angehörige der U-Boot-Flotte, Unterschlupf fanden. Auf drei Etagen lässt sich die Geschichte des Bunkers und der Stadt Kiel nachvollziehen. Besonders beeindruckte die Schülerinnen und Schüler die aktuelle Ausstellung über Bomben und Trauma, die anhand von einzelnen Biographien sehr anschaulich beschreibt, wie Soldaten auch heute unter Posttraumatischen Belastungsstörungen leiden können und dass eine ganze Gesellschaft von den Kriegsereignissen geprägt werden kann.“

Hier geht es zu Website des Flandernbunkers.