Der Abschied unserer DaZ-Klasse – ein Interview mit Frau Richardsen

Nach zwei Jahren „Deutsch als Zweitsprache“ hieß es zu Beginn des 2. Halbjahres am Gymnasium Glinde Abschied nehmen: Unsere DaZ-Klasse wird aufgelöst. In dieser Zeit haben viele Schüler:innen aus verschiedenen Ländern hier Deutsch gelernt, neue Freundschaften geschlossen und ihren Start an unserer Schule gefunden. Geleitet wurde die Klasse dieses Schulhalbjahr von den Klassenlehrerinnen Frau Köppen und Frau Richardsen, die die Schülerinnen in dieser Zeit begleitet und unterstützt haben. Der Grund für die Auflösung ist, dass die DaZ-Zentren in der Umgebung inzwischen wieder genügend Platz haben. Deshalb wechseln die Schüler*innen nun an andere Schulen oder in reguläre Klassen.

Um auf die schönsten und besten Momente der DaZ-Klasse zurückzublicken, habe ich eine der Klassenlehrerinnen, Frau Richardsen, interviewt, bevor sie zu Beginn des 2. Halbjahres verabschiedet wurde.

 

Wie hat sich die Klasse seit ihrem Beginn entwickelt?

Ich bin überrascht, wie die sprachlichen Fortschritte wirklich zu sehen sind z.B. bei einem Schüler, der erst relativ kurz hier war. Bei ihm konnte ich seine Schritte richtig gut beobachten. Was ich aber auch gemerkt habe, ist, dass die Gruppendynamik sich jetzt gerade die letzten zwei Wochen etwas verschlechtert hat. Es gibt dann häufig Streits, dabei geraten einige Schüler*innen aneinander. Aber insgesamt sehe ich schon, dass die Klasse zusammenhält. Das freut mich echt.

Vor allem Sie und Frau Köppen haben die Klasse unterrichtet und dies unterschiedlich lange – wie haben sich da Ihre Rollen und Aufgaben unterschieden?

Ich bin erst seit einem halben Jahr dabei und habe nun am Anfang eher bei Frau Köppen zugeschaut. Sie hatte dann häufig, wenn wir zusammen unterrichtet haben, die „Leitung“. Jedoch haben wir am Anfang des Jahres auch besprochen, dass wir den Unterricht nach Kompetenzen aufteilen. Frau Staeck und Frau Macholl machen eher Leseverstehensaufgaben mit der Klasse. Herr Schade und ich machen eher Sprechaufgaben oder Hörverstehen. Z.B haben wir häufig mit den Schüler:innen Nachrichten in einfacher Sprache gehört. Herr Hollensen macht Sport mit der Klasse, was denen total wichtig ist und sie richtig viel Spaß dran haben. Insofern haben wir den Unterricht am Anfang des Schuljahres nach Kompetenzbereichen aufgeteilt.

Frau Richardsen hilft den DaZ- Schüler:innen
Frau Richardsen hat Freude daran, DaZ-Kinder bei ihrer Sprachentwicklung zu unterstützen

Gab es für Sie einen Moment, der Ihnen sehr in Erinnerung geblieben ist?

Der Tag der offenen Tür. An dem Tag haben wir hier ein kleines Spielcafe organisiert. Das heißt wir haben verschiedene Spiele mitgebracht und dann haben wir den ganzen Tag über hier gespielt. Z.B MauMau, Schach oder Stadt Land Fluss… Und hatten noch 10. Klässler des Gymnasiums, die mitgespielt haben. Das war ein schöner Austausch und es war recht harmonisch. Wir haben zusammen Kuchen gegessen und die Kinder hatten richtig viel Spaß und haben natürlich auch Deutsch gesprochen. Das war richtig, richtig toll.

Was denken Sie, nehmen die Schüler*innen aus der Zeit am Gymnasium Glinde mit?

Sicherlich bessere Deutschkenntnisse, vielleicht auch ein größeres Verständnis für das Zusammenleben in Deutschland. Wir haben das immer mal wieder versucht, interkulturelle Kompetenzen z.B. wie gewaltfreie Kommunikation oder Gefühle auszudrücken. Das klappt nicht immer, aber ich glaube, das hat auf jeden Fall was gebracht.

Worauf können die Schüler*innen besonders stolz sein?

Wie gesagt, sie haben riesige Sprünge in ihren Sprachkenntnissen gemacht. Das muss man wirklich sagen. Vor allem der letzte Schüler, der dazu gekommen ist, der konnte noch nicht das Alphabet auf Deutsch. Den haben wir komplett alphabetisiert und er kann jetzt lesen und schreiben auf Deutsch. Das ist schon wahnsinnig, und ich denke auch, dass viele auf ihre Konfliktfähigkeit stolz sein können und dass sie versuchen, Konflikte zu lösen. Es klappt zwar nicht immer, aber ich finde es schon beeindruckend, wie sie sich verbessert haben.

Wie sind die Schüler*innen auf den Schulwechsel vorbereitet worden?

Das hat vor allem Frau Köppen gemacht. Frau Köppen hat mit den Schüler:innen zusammen die Formulare ausgefüllt und intensiv besprochen, was der Schulwechsel bedeutet. Einmal sind wir zusammen zur Wiesenfeld gegangen und haben den Schüler:innen die Schule gezeigt.

Geschenke von Frau Köppen
Frau Köppen schenkt den Kindern zum Abschied Kerzen, Socken und Süßigkeiten!

Was wünschen sie den Schüler*innen auf ihrem weiteren Weg?

Ich wünsche Ihnen natürlich das Allerbeste. Ich weiß, dass Deutschland nicht immer einfach für Migranten ist. Es ist ein Land, was sich momentan ja auch dahin bewegt, dass es eher ablehnender wird, und ich hoffe natürlich, dass niemand hier von der Bürokratie verschlungen wird. Ich hoffe, sie machen weiter schöne Sprünge und schaffen hier ihre Abschlüsse. Das ist super wichtig, um hier dann auch Erfolg zu haben.

Was möchten Sie den Schüler*innen zum Abschied auf den Weg geben?

Es ist im Grunde das Gleiche. Ich möchte, dass sie erfolgreich sind. Ich möchte, dass sie als Menschen wachsen und hoffentlich auch hier ein gutes Leben führen können. Ich hoffe auch, dass sie in Kontakt bleiben. Außerdem werde ich ihnen meine E-Mail Adresse geben, wenn sie mal was brauchen, bin ich gern bereit zu helfen.


Die Schülerin Sophia, das einzige Mädchen der Klasse, hat mir anschließend noch von ihrer Zeit in der DaZ-Klasse berichtet. Ihr gefiel vor allem der Sportunterricht gut und sie hatte viel Spaß an Gesellschaftsspielen. Zu ihren Favoriten zählen Bingo und Stadt Land Fluss. Nun schaut sie zuversichtlich auf ihre neue Schule und hofft, dass mehr Mädchen in ihrer Klasse sein werden.

Abschließend danken wir allen Lehrkräften, die den Schüler:innen der DaZ-Klasse geholfen haben, besser Deutsch zu lernen und zu verstehen und den Start im neuen Land vielleicht etwas einfacher zu gestalten. Nun hoffen wir, dass die Schüler:innen es weiterhin schaffen, ein besseres Deutsch zu lernen und dass sie ein schönes Leben hier verbringen können.