Junge Stimmen erinnern – Projekte zum Holocaust­gedenktag

Jedes zweite Jahr erinnert das Gymnasium Glinde an die schrecklichen Taten während der Zeit des Nationalsozialismus und gedenkt seinen Opfern. Auch dieses Jahr gab es viele verschiedene Projekte, die sich in den Jahrgängen unterschieden und andere Schwerpunkte setzen. Welche Projekte das genau waren und wer diese organisiert, erfahrt ihr in diesem Artikel.

 

Projekte der Jahrgänge:

  • 5. / 6. Klassen – Film „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“
  • 7b – Projektarbeit zum Buch „Ich bin ein Stern“
  • 8. Klassen – Film „Der Junge im gestreiften Pyjama“
  • 9a – Filmanalyse „Jojo Rabbit“
  • 9b – Stolpersteine
  • 9c – Film „Der Junge im gestreiften Pyjama“
  • 9d – Projekt „Namentuch“
  • 10. Klassen – Film „Schindlers Liste“
  • 10d / E-Jahrgang – Film „The Zone of Interest“
  • Q1a – Kino
  • Q1b – Bullenhuser Damm
  • Q1c – Stadtführung „Braunes Hamburg“

Die Organisatorin des Projekttages zum Gedenken an den Holocaust ist Frau Drechsler, die ich abschließend noch interviewt habe.

Inwiefern haben sich die Projekte zu den Holocaust-Gedenktagen weiterentwickelt oder verändert?
Porträt Frau Drechsler
Frau Drechsler organisiert den Holocaust-Gedenktag an unserer Schule

2020 haben wir zum ersten Mal einen schulinternen Gedenktag mit verschiedenen Projekten gestaltet. Dafür erstellten unser damaliger Geschichtsreferendar, Johannes Reichert, und ich eine Liste mit möglichen Aktivitäten für die verschiedenen Jahrgänge, welche anschließend anhand eines Feedbacks seitens der Schüler und der Kollegen evaluiert wurden. Was kam gut an? Brauchte man für den Film mehr Vorentlastung? Wie könnte ein Bezug zur Lebenswelt der Schüler hergestellt werden? Etc.

Seitdem sind weitere Anregungen und Ideen aus dem Kollegium mit eingeflossen.

Auch ist vor vier Jahren durch unsere damalige Bildungsministerin, Frau Prien, dem Tag durch Aktionen, wie Aufkleber des Chanukka Leuchters der Familie Posner in den Fenstern und verstärkte Öffentlichkeitsarbeit größere Bedeutung geschenkt worden. (Anmerk. d. Redaktion: Der Chanukkaleuchter der Familie Posner ist eine Chanukkia aus dem Besitz der Familie des letzten Kieler Rabbiners vor der Schoah, Arthur Posner).

„Verändert“ hat sich hinsichtlich der Projekte, dass ein Besuch des KZs Neuengamme nicht mehr unbedingt als Aktivität an genau diesem Tag durchgeführt werden, sondern dass alle Klassen des 9. Jahrgangs im Rahmen von „Lernen am anderen Ort“ eine Exkursion mit ihrer Geschichtslehrkraft nach Neuengamme lehrplangemäß durchführen. So kann der Tag für andere Aktivitäten genutzt werden.

 

Stolpersteine des Paares Levy aus Hamburg
Stolpersteine eines ermordeten Paares.
Was wünschen Sie sich für die zukünftige Weiterentwicklung und Gestaltung dieser Projekttage?

Ich wünsche mir noch mehr „Aktion“ seitens der Schülerschaft! Der Tag gedenkt den Opfern des Holocausts und soll die Erinnerung an den Holocaust wachhalten. Doch nicht nur das. Er soll darüber hinaus ein Zeichen gegen Hass und Gewalt setzen. Der Judenhass ist weltweit in den letzten Jahren wieder stark entflammt, was den Schülern oft nicht bewusst ist. Es gilt also, sich mit aktuellen Entwicklungen stärker zu beschäftigen und aktiv zu werden, sich gegen Hass und Gewalt einzusetzen. Das kann schon durch das Verfassen von einigen Zeilen oder einer Recherchearbeit sein, die anderen Klassen präsentiert wird. Doch ist dies an einem Tag meist nicht zu schaffen, daher würde ich mir die Möglichkeit eines weiteren optionalen Projekttages vor oder nach dem 27.1. wünschen sowie mehr Zeit, um mit Kollegen ein neues Projekt – durchaus klassenübergreifend- zu entwerfen!

 

Was motiviert Sie persönlich, diese Projekttage zu organisieren?

Was mich von klein auf beschäftigt hat, ist die Frage: Wie können Menschen anderen Menschen so etwas antun? Anfeindung, Verdrängung aus dem öffentlichen Leben durch das Erlassen von neuen Gesetzen, Verfolgung und letztlich die systematische Vernichtung von unschuldigen Menschen auf brutalste Art und Weise. Ich bin entsetzt, wenn bei öffentlichen Umfragen deutlich wird, dass junge Deutsche mit dem Begriff Holocaust nichts richtig anfangen können und auch Fakten zum Nationalsozialismus nur sehr rudimentär vorhanden sind und (nun teils durch KI, man denke an die nicht gekennzeichneten KI-generierten vermeintlichen Aufnahmen aus KZs) total verdreht werden. Ebenso besorgt mich sehr das Aufkommen autoritärer Regime und Tendenzen, die die Freiheit letztlich mit Füßen treten.

Als Geschichtslehrerin sehe ich sowohl mich als auch uns als Schule in der Pflicht insbesondere hinsichtlich dieses Themas einen Akzent zu setzen, auf mögliche gefährliche Entwicklungen aufmerksam zu machen und die Schüler an ihre Verantwortung, die sie für den Fortbestand eines funktionierenden freiheitlichen, demokratischen Gemeinwesens tragen, zu erinnern.

 

Lies auch den Artikel mit einen Gespräch mit Herrn Beth  zu Nachlese Holocaust-Gedenktag.

 

Artikel von Samia Liencke (Ea), Fotos von Pixabay und Samia