Zwei Kulturen, zwei Schulen, ein Lehrer – Herr Krackowitz berichtet von seiner Delegationsreise

Im Rahmen einer Delegationsreise hatte Herr Krackowitz die Möglichkeit, Schulen und Bildungseinrichtungen in China zu besuchen. Im Interview berichtet er von seinen Erfahrungen und den Unterschieden zum deutschen Schulsystem.

Wie sieht ein typischer Schultag in China aus?

Laut Herrn Krackowitz verbringen chinesische Schüler deutlich mehr Zeit in der Schule als in Deutschland. Der Unterricht dauert häufig bis 16:00 oder 16:30 Uhr. Anschließend stehen oft noch Hausaufgaben und die Nachbereitung des Unterrichts auf dem Programm. Viele Schülerinnen und Schüler seien dadurch bis in den Abend hinein mit schulischen Aufgaben beschäftigt.

Welche Unterschiede gibt es im Unterricht?

Besonders auffällig waren die großen Klassen. Mit 40 bis 50 Schülerinnen und Schülern pro Klasse seien diese deutlich größer als an deutschen Schulen.

Im normalen Unterricht war ganz, ganz wenig Interaktion zwischen Lehrkräften und Schülern“, berichtet Herr Krackowitz. Stattdessen dominiere häufig Frontalunterricht mit „fast schon Universitätsvorlesungscharakter“.

Anders sah es in kleineren Sprachkursen aus. Dort arbeiteten die Schüler teilweise in Gruppen und der Unterricht erinnerte stärker an deutsche Unterrichtsformen.

Welche Fächer werden an chinesischen Schulen unterrichtet?

Die besuchten Schulen unterschieden sich in ihrem Fächerangebot nicht grundlegend von deutschen Schulen. Neben den üblichen Fächern wie Mathematik, Sprachen oder Naturwissenschaften spielte an den besuchten Schulen auch Deutsch eine wichtige Rolle.

Herr Krackowitz besuchte zwei international ausgerichtete Schulen, an denen Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wird. Dort konnte die Delegation auch Deutschunterricht beobachten und sich mit den Lehrkräften austauschen.

Was hat Sie an den Schulen besonders beeindruckt?

Die besuchten Schulen hinterließen einen sehr positiven Eindruck.

Die waren sehr gut ausgestattet“, sagt Herr Krackowitz. Moderne Fachräume, große Bibliotheken und zahlreiche Arbeitsplätze für Schüler gehörten dort selbstverständlich dazu.

Auch die Größe der Schulen war beeindruckend: Viele Einrichtungen hatten mehr als 1.000, teilweise sogar über 2.000 Schüler.

Wie haben Sie den Umgang zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern erlebt?

Hier beobachtete Herr Krackowitz unterschiedliche Situationen. Während im regulären Unterricht oft ein sehr leistungsorientiertes Arbeiten im Vordergrund stand, war die Atmosphäre in kleineren Sprachkursen, wie schon erwähnt, deutlich persönlicher.

Insgesamt hat man gemerkt, dass von den Schülern ein hohes Arbeitspensum erwartet wird. Wer im Unterricht nicht alles verstehe, müsse den Stoff häufig eigenständig nacharbeiten.

Was war Ihr persönliches Highlight der Reise?

Neben den schulischen Einblicken beeindruckte Herrn Krackowitz besonders die Stadt Shanghai.

Shanghai hat mich am meisten beeindruckt“, erzählt er. Trotz ihrer Größe mit rund 24 Millionen Einwohnern wirke die Stadt überraschend lebenswert. Viele Grünflächen, saubere Straßen und eine freundliche Atmosphäre seien ihm besonders in Erinnerung geblieben.

Die Leute sind freundlich, es ist sauber, es ist sicher“, fasst er seine Eindrücke zusammen.

Was können deutsche Schulen von China lernen?

Herr Krackowitz sieht vor allem beim Engagement und der Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler einen Punkt, von dem man sich etwas abschauen könne.

Dieses Engagement und vielleicht auch dieser Leistungswille, davon können wir uns eine gute Scheibe abschneiden“, sagt er.

Gleichzeitig betont er, dass deutsche Schulen weiterhin auf eine gute Balance zwischen Leistung und Freizeit achten sollten.

Wir danken Herrn Krackowitz für das nette Gespräch!

 

Text: Emma Ghassemieh und Alina Voß; Fotos: Kw