Nachlese Holocaust Gedenktag – Erinnerung bleibt stets bestehen

Der 27. Januar wird nun seit rund 20 Jahren von den Vereinten Nationen dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gewidmet. Auch viele Jahre nach dem Holocaust bleibt die Erinnerung äußerst relevant, besonders auch an den Projekttagen an unserer Schule. Dabei geht es primär darum, Verständnis zu schaffen und zum Nachdenken anzuregen. Ein Gespräch mit Herrn Beth, Geschichtslehrer an unserer Schule, bietet dabei Einblicke in die Bedeutung von Erinnerung, schulischer Verantwortung und der Prävention im Unterricht.

Besonders die Tatsache, dass viele unserer Vorfahren Mittäter während der Zeit des Nationalsozialismus waren, wird trotz der immensen Bedeutsamkeit oft vernachlässigt. Daher ist es wichtig, Familiengeschichte aufzuarbeiten und das Erinnern nicht nur im privaten Raum zu behandeln, sondern speziell für Jugendliche auch in den sozialen Medien und in der Schule zugänglicher zu machen.

Das Holocaust-Mahnmal in Berlin erinnert an die Ermordung der Juden während des Holocausts

Aufgrund der Relevanz des einschneidenden geschichtlichen Ereignisses, habe ich Herrn Beth interviewt, um durch die professionelle Meinung eines Geschichtslehrers mehr aufzuklären:

Warum ist es Ihrer Meinung nach auch heute noch wichtig, an den Holocaust zu erinnern, besonders für junge Menschen?

Bis heute besitzt es noch eine große Relevanz, da der Holocaust eine einschneidende Epoche in der deutschen Geschichte war und wir in Deutschland leben. Heutzutage sollten sich junge Menschen, also Schülerinnen und Schüler, dessen bewusst sein, dass diese Gräueltaten auf deutschem Boden geschehen sind und auch von Deutschen begangen wurden. Daraus entsteht eine Art Awareness – also das Bewusstsein dafür, dass diese Dinge nicht nochmal in Zukunft passieren. Damit hat jeder auch so eine eigene Verantwortung, dass es nicht wieder passiert.

 

Sollte Erinnerung an den Holocaust in der Schule jedes Jahr stattfinden oder reichen die bestehenden Projekte aus?

Die Erinnerung an den Holocaust sollte auf jeden Fall jedes Jahr stattfinden. Das kann auf unterschiedliche Art und Weise geschehen. Dafür ist natürlich der Holocaust Gedenktag ein guter Anlass, aber da gibt es weitreichende Möglichkeiten – ob im Geschichtsunterricht, Deutschunterricht oder auf Exkursionen und Klassenfahrten. Da würde ich nicht sagen, dass man sich dafür nur einen Tag nimmt, sondern es könnte auch nebenbei immer noch berücksichtigt werden.

 

Was halten Sie von der Idee, dass jede Schülerin und jeder Schüler in der Schulzeit verpflichtend mindestens einmal eine Gedenkstätte besucht haben sollte?

Die Idee finde ich nicht verkehrt. „Verpflichtend“ ist oft schwierig umzusetzen, weil es manchmal auch andere Probleme gibt, die außerhalb des Wollens sind, die die Umsetzung verhindern. An sich ist der Gedanke daran der richtige, da an außerschulischen Lernorten ein ganz anderer Zugang zur jeweiligen Thematik besteht.

Hierbei muss man beachten, dass unsere Schule bereits das Mögliche versucht, Exkursionen zur KZ Gedenkstätte Neuengamme umzusetzen.

Herr Beth empfindet Projekttage und Exkursionen als sehr sinnvoll

Welche Rolle spielen Projekttage oder Gedenkstättenbesuche im Vergleich zum Unterricht?

Wie gesagt, insbesondere die Gedenkstättenbesuche geben nochmal einen anderen Zugang. Projekttage können auch nochmal einen zusätzlichen Fokus setzen, zumal im Unterricht aufgrund von Vorgaben der Fachkurrikula zu wenig Zeit ist. Deshalb sind beide sehr sinnvoll mit einzubeziehen.

 

Sollte es Ihrer Meinung nach mehr Präventionsarbeit im Unterricht geben, zum Beispiel gegen Antisemitismus, Rassismus oder Ausgrenzung?

Das ist auf jeden Fall sehr wünschenswert. Auch hier muss jedoch gesagt werden, dass es natürlich auch die organisatorischen Limitationen gibt, die einem im Rahmen der Schule manchmal gar nicht die Möglichkeiten geben, dort noch mehr Prävention zu leisten, als wir es schon tun. Wir tun schon sehr viel mit Präventionstagen. Das wäre grundsätzlich sehr sinnvoll, aber der Unterricht gibt oft einen starren Rahmen vor, der das nicht immer erlaubt.

 

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen dem Erinnern an den Holocaust und aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen?

Die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen sind definitiv multikausal – da kann man nicht sagen, dass sie und die deutsche Geschichte sich nur auf die Erinnerungskultur reduzieren lassen. Natürlich hat sie auch ihre Anteile, aber die Multikausalität sollte nicht vergessen werden.

Abschließend lässt sich sagen, dass der Gedenktag für Schülerinnen und Schüler nicht nur ein Anlass ist, mehr über die Opfer und Täter des Nationalsozialismus zu erfahren, sondern auch, um darüber nachzudenken, wie es überhaupt soweit kommen konnte, was Rassismus (heute noch) anrichten kann und was zum Beispiel Zivilcourage bedeutet: Nicht einfach zuschauen oder wegschauen, sondern einschreiten, mitdenken und sich gegen Gewalt einsetzen.

Artikel von Samia Liencke (Ea), Fotos von Pixabay und ehemaligem Schüler