Ausnahmezustand Corona – die Krise als Chance? Überlegungen einer Schülerin

Das neue Virus SARS-CoV-2 dominiert zurzeit die ganzen Medien und auch unser Privatleben wird davon einschneidend verändert. Dies kann einem ein mulmiges Gefühl vermitteln, da diese Situation viel Unsicherheit und Ängste mit sich bringt. Deswegen ist es umso wichtiger, sich jetzt auch auf positive Dinge zu konzentrieren. Die Corona-Krise bringt nämlich durchaus positive Aspekte und sogar Chancen für uns und unseren Planeten mit sich, auch wenn sie zweifellos viele besonders hart trifft und wir alle hoffen, dass sie bald überstanden ist.

Einige der Aspekte, die eine Chance zum Umdenken bieten:

  1. Bildung jetzt digitaler?

Durch die Schließung aller Schulen und Universitäten in ganz Deutschland sind wir nun umso mehr auf das digitale Lernen angewiesen. Schüler*innen kommunizieren mit ihren Lehrer*innen über Lernportale wie „SchulCommSy“, „IServ“ oder „Moodle“ – oder suchen andere kreative Lösungen wie Skype – und so wird ihnen das Lernen trotz Schulausfall ermöglicht.

Auch die Personen, die sich bis jetzt davor gesträubt haben oder nicht so viele Berührungspunkte mit der digitalen Welt hatten, müssen sich jetzt damit auseinandersetzen. Dies könnte auch in Zukunft eine Möglichkeit sein, die Bildung in Deutschland auch nach der Corona-Krise digitaler und somit moderner zu gestalten. Vorteilhaft ist es für den zukünftigen Lebensweg der Schüler*innen, da auch das spätere Uni-Leben (falls sie nach der Schule studieren möchten) viel mit Selbstorganisation, sinnvollem Zeitmanagement und digitaler Vernetzung zu tun hat. Somit werden die Schüler*innen nun in gewisser Weise verstärkt auf das Leben nach der Schule vorbereitet. Diese Phase ist eine Herausforderung für uns, die wir sinnvoll nutzen können. Auch das Berufsleben hat sich jetzt drastisch verändert, da viele Unternehmen auf Homeoffice umgestiegen sind, um die sozialen Kontakte zu minimieren. Dies spart Fahrtwege und könnte auch in Zukunft eine attraktive Alternative zum konventionellen Präsenzjob in Unternehmen sein und unsere Welt besser vernetzen.

  1. Die Erde sagt Danke

Seit Jahren kämpfen Umweltaktivisten für bessere Luft durch niedrigere CO2-Ausstöße und bessere Umweltbedingungen, wie die Wasserqualität. Paradoxerweise konnten sie damit relativ wenig erreichen im Vergleich zu dem, was die Corona-Epidemie in wenigen Wochen für die Umwelt bewirkt hat. Infolge des ausbleibenden Massentourismus scheinen sich zum Beispiel die stark verschmutzten Kanäle in Venedig zu erholen, das Wasser ist wieder klar und Fische sind am Grund zu sehen (Quelle: spiegel.de). Satellitenbilder aus China und großen Metropolen, wie Rom, zeigen außerdem einen deutlichen Rückgang des Ausstoßes von Stickoxiden. Durch die zeitweilige Lahmlegung großer Fabriken, gestrichene Flüge und verminderten Autoverkehr aufgrund von Quarantäne oder Ausgangsbeschränkungen ist die Luft in den bis vor kurzem durch Smog stark belasteten Städten wieder sauberer.

Die Natur scheint sich an manchen Stellen zu erholen.

Experten sagen zwar, dass dies nur kurzfristige Errungenschaften sind und sich die Emissionen nach dem durch die Pandemie bedingten Ausnahmezustand wieder deutlich erhöhen werden, da der Konsum von den Menschen wieder angekurbelt wird, zum Teil verstärkt produziert und konsumiert würde als vorher.

Dies muss aber nicht so sein, da es an jedem einzelnen von uns liegt, ob wir zukünftig wirklich fürs Wochenende ins drei Stunden Bahnfahrt entfernte Berlin fliegen müssen, oder ob wir noch eine schwarze Jeans brauchen, obwohl wir schon vier ähnliche im Kleiderschrank haben. Es liegt allein an jedem einzelnen von uns, etwas am Konsumverhalten zu verändern und sich zu überlegen, was man wirklich zum Glücklichsein braucht und auf was man verzichten kann.

Vielleicht ist dieses Virus auch ein bisschen wie ein Warnsignal der Natur zu verstehen, endlich mehr auf sie zu achten und nicht mehr so egoistisch davon auszugehen, die Menschheit beherrsche diesen Planeten allein. Zumindest hält uns die gegenwärtige Krise auch einen Spiegel vor, um zu sehen, wie sich kollektives Verhalten sehr schnell auf die Umwelt auswirkt.

Wenn ihr noch mehr über die positiven Einflüsse des globalen „Runterschaltens und Verzichtens“ auf die Umwelt erfahren wollt: zum Beispiel unter https://www.spektrum.de/podcast/atempause-fuer-die-umwelt
www.n-tv.de/politik/Wie-der-Shutdown-das-Klima-beeinflusst  und www.tagesschau.de/inland/klimabilanz

  1. Mal einen Gang runterschalten

Zurzeit ist es von größter Wichtigkeit, zuhause zu bleiben, um kranke und alte Menschen vor Ansteckung zu schützen, wobei Solidarität und Geduld gefragt sind. Dies ist auch eine gute Möglichkeit, einmal aus dem hektischen Alltagsleben auszubrechen und zum Beispiel dem ständigen Leistungsdruck für einen Moment zu entkommen. In unserer heutigen Welt wird es als schwach angesehen, nichts oder einfach mal weniger zu tun, man muss immer in Aktion sein, irgendwo hin und mitmischen, um etwas zu leisten, darzustellen, zu beweisen – und man darf nicht stehenbleiben. Dies kann einem jedoch über den Kopf wachsen, was der Gesundheit schaden kann, denn jeder braucht Ruhe und Erholung.

Deswegen schlage ich vor, dass ihr euch jetzt Zeit für euch selbst nehmt: Einfach mal hinsetzen, ein Buch lesen, das man schon lange lesen wollte, und den Anblick der ersten Frühlingsknospen und Sonnenstrahlen genießen. Möglicherweise habt ihr etwas, was ihr schon immer mal ausprobieren oder lernen wolltet: Nähen, Zeichnen, Programmieren oder eine neue Sprache lernen… . Nehmt euch neben den täglichen Pflichten, die erledigt werden müssen, Zeit, mit euren Eltern oder Geschwistern schöne Momente zu erleben, zum Beispiel mal einen gemeinsamen Spieleabend organisieren, zusammen musizieren, kochen… . Es gibt so viele schöne Dinge, die man tun kann während die Welt ein Stück weit stillsteht.     

Letztlich bietet uns der Ausnahmezustand auch die Chance, zu erkennen, dass eben nichts von dem, was wir normalerweise als gegeben hinnehmen, so selbstverständlich ist, wie es scheint. Man kann jetzt vieles schätzen, was sonst gleichgültig hingenommen wird.

Janette Tyborski